von Triwinger » Fr 13. Mär 2026, 20:03
Hallo Thilo, hallo zusammen,
Deinen Plan zur optischen Auffrischung der Motorteile finde ich interessant. Das würde meiner Mühle auch mal gut stehen. Dazu meine Ideen:
- Es ist bestimmt sinnvoll, daß zu zunächst die mechanische Bearbeitung beim Motoreninstandsetzer durchführen läßt. Denn der muß die Teile ja auf seinen Maschinen gut spannen können. Eine frische Beschichtung würde dort vielleicht gleich wieder leiden.
- Vom Trockeneisstrahlen ist mir bekannt, daß es leider nur in der Lage ist, Schmutz und lose Lackteile zu entfernen. Falls also gewisse originale Lackbereiche die Zeit doch noch zäh überdauert haben, so würdest Du Gefahr laufen, lediglich teilentlackte Bauteile zurückzuerhalten.
- Eine erfolgversprechende Alternative wäre das Naßstrahlen. Das ist sozusagen eine "Kombination aus Sandstrahlen plus Wasser". Die Strahlpartikel vermögen den alten Lack zuverlässig abzutragen. Und die Einbettung des Strahlguts in Wasser sorgt dafür, daß das Oberflächenbild nicht matt und rauh wird, sondern seidenglänzend und recht glatt. Anbieter für das Naßstrahlen gibt es z. B. in München (https://www.nassstrahlen-muenchen.de/), aber auch anderswo.
- Das herkömmliche (Spritz-)Lackieren kann man in Eigenarbeit durchführen. Im Do-it-yourself-Fachhandel werden dafür ja entsprechende Sprühdosen angeboten ("Duplicolor Supertherm" oder dergleichen). Wenn man die Motorteile anschließend in Backofen trocknet, dann hält das auch gut. Und zusätzlich wird uns die Dame des Hauses mit ewiger Dankbarkeit beehren. ("Jetzt reicht's! Das Motorrad oder ich!")
- Das Pulverbeschichten wird von einigen Anbietern durchaus auch für Motorenteile angeboten, und zwar auch für Teile in thermisch hoch belasteten Bereichen. Du könntest also mal bei Pulverbeschichtern anfragen und auf die thermische Belastung im Motor hinweisen. Seriöse Anbieter würden den Auftrag gewiß nur durchführen, wenn ihr Pulver zuverlässig hält, ohne daß sie anschließend eine Reklamation fürchten müssen. Idealerweise können solche Anbieter auch bereits Referenzen nennen (beschichtete Motorenteile aus anderen luftgekühlten Motorrädern). Als Beispiel für serienmäßig pulverbeschichtete Motorenteile (auch Zylinder und -Köpfe) möchte ich die luftgekühlten Vierventil-Boxer von BMW anführen. Diese Beschichtung führt u. a. die Firma Neuser in Ludwigsfelde bei Berlin durch (https://neusergmbh.de/).
- Abschließend eine selbstgemachte Erfahrung bei der Pulverbeschichtung von Aluteilen: Ich habe mal ein Paar Fahrrad-Alufelgen beschichten lassen. Zuvor hatte ich sie in Eigenarbeit gereinigt, und zwar mit Stahlwolle, die ich in WD-40 getränkt hatte. Das Abtragen der Schmutz- und Oxidschicht hat damit durchaus gut funktioniert. Aber leider hatte sich dabei wohl etwas WD-40 in die Oberfläche eingelagert. Das ist anschließend beim Trocknen der Pulverbeschichtung ausgegast und hat Blasen geworfen. Ich würde daher bei solchen Teilen künftig den Beschichter bitten, die Teile sehr gründlich vorzureinigen (mit Industrie-Entfetter, ggf. im warmen Reinigungsbad). Denn Dein Motoreninstandsetzer hat beim Honen bestimmt mit Hon-Emulsion gearbeitet...
Ich wünsche auf jeden Fall schon mal gutes Gelingen - und bin gespannt, was Du uns nach der erfolgreichen Neu-Beschichtung wirst berichten können.
Roland
1-/2-/3-Zylinder-Fan der 80er-Jahre-Yamahas (SR 500, TR1, XS 850).
Credo: "Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit."